Sauerstoffdurchlässigkeit und Wassergehalt von Kontaktlinsen

Da Kontaktlinsen direkt auf dem Auge sitzen, ist es wichtig sie richtig anpassen zu lassen. Denn Kontaktlinsen, die nicht gut angepasst sind, können die Gesundheit der Augen enorm gefährden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier. In diesem Zusammenhang ist auch oft von der Sauerstoffdurchlässigkeit der Kontaktlinsen die Rede. Aber worauf kommt es dabei wirklich an? Warum werden nicht jedem Träger Kontaktlinsen mit einem hohen Sauerstoffgehalt angepasst, wo doch die Sauerstoffversorgung so wichtig für die Augen ist? Und wie hängt der Wassergehalt von Kontaktlinsen damit zusammen? Antworten darauf gibt Ihnen Stefanie Berger, Optikerin bei Mister Spex.

Sauerstoffdurchlässigkeit von Kontaktlinsen

Um eine möglichst große Lichtdurchlässigkeit zu garantieren, wird die Hornhaut nicht über Blutgefäße von innen heraus mit Sauerstoff versorgt, sondern von außen über die Luft beziehungsweise die Lidbindehaut bei geschlossenen Augen. Besonders weiche Kontaktlinsen beeinträchtigen diese freie Sauerstoffzufuhr jedoch, da sie die gesamte Fläche der Hornhaut bedecken und das Material weniger Gasdurchlässig ist als das Material formstabiler Linsen. Ist die Linse nicht richtig angepasst und sitzt zu fest auf der Hornhaut, wodurch nicht genügend Sauerstoff an die Hornhaut gelangt, kann dies zum einen den Tragekomfort stark vermindern und zum anderen auch zu Veränderungen an der Hornhaut führen, wie zum Beispiel Schwellung der Hornhaut oder dem Einwachsen von Blutgefäßen, um den Sauerstoffmangel zu beheben. Demnach ist eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit bei weichen Kontaktlinsen prinzipiell vorteilhaft, insbesondere wenn die Linsen einige Stunden in den Augen bleiben. Wie hoch die Sauerstoffdurchlässigkeit der Linsen ist, wird über den so genannten Dk-Wert angegeben. Je höher dieser Wert ist, desto besser wird das Auge mit Sauerstoff versorgt. Bei formstabilen Kontaktlinsen kann dieser Dk-Wert, je nach Material, zwischen 18 und 210 liegen. Bei herkömmlichen weichen Kontaktlinsen liegt der Dk-Wert mit 9 bis 30 weit unter dem für formstabile Kontaktlinsen. Da der Dk-Wert mit der Dicke des Materials abnimmt, wird die Sauerstoffdurchlässigkeit von Kontaktlinsen in der Regel in der Relation zur Linsenmittendicke angegeben – mit dem so genannten Dk/t-Wert. Bei einem Dk/t-Wert von über 90 wird die Hornhaut optimal mit Sauerstoff versorgt, bei Dk/t 30 ist die Sauerstoffdurchlässigkeit sehr gering. Obwohl die Sauerstoffzufuhr für das Auge so wichtig wird, werden aber doch immer wieder Trägern Kontaktlinsen mit einem recht geringen Dk/t-Wert angepasst. Aber warum? Meist hängt das mit dem Wassergehalt der Kontaktlinsen zusammen.

Wassergehalt von Kontaktlinsen

Der Wassergehalt bei weichen Kontaktlinsen wird in Prozent angegeben. Je höher dieser Wert ist, desto höher ist auch die Sauerstoffdurchlässigkeit der Kontaktlinse. Durch das Wasser in den Linsen können die Sauerstoffmoleküle durch das Material hindurch zum Auge gelangen. Damit wird die Hornhaut optimal versorgt und in der Regel ein hoher Tragekomfort garantiert. Durch den hohen Wassergehalt müssen Kontaktlinsenträger allerdings vermehrt mit Ablagerungen auf den Linsen rechnen. Zudem verringert sich die Stabilität der Kontaktlinsen je höher der Wassergehalt ist und bei trockener Luft, zum Beispiel in beheizten Räumen, lässt der Tragekomfort der Linsen nach.

Durch die hohe Sauerstoffdurchlässigkeit ist für die meisten Träger ein Wassergehalt von 50 – 75 Prozent bei weichen Kontaktlinsen angenehm. Für einige Menschen kann ein so hoher Wassergehalt jedoch zu enormen Einschränkungen im Tragekomfort bis hin zu Trageproblemen führen. Menschen, die von vornherein eher trockene Augen haben, werden mit Kontaktlinsen mit einem hohen Wassergehalt nicht klar kommen. Im ersten Moment klingt das völlig paradox, da man meint, der hohe Wassergehalt ist gerade gut für trockene Augen. Dem ist aber nicht so. Ein Großteil des Wassers aus den Kontaktlinsen verdunstet und wird damit nicht ans Auge, sondern an die Umgebung abgegeben. Die Linsen benötigen aber den hohen Wassergehalt, um ihre Form zu behalten. Also wird die verlorene Flüssigkeit durch den Tränenfilm ersetzt. Bei einem ausreichend vorhandenen Tränenfilm ist das kein Problem. Ist aber nur wenig Tränenflüssigkeit vorhanden, können die Kontaktlinsen das Auge regelrecht trocken legen und selber austrocknen. In einem solchen Fall gibt es mehrere Möglichkeiten auch bei trockenen Augen Kontaktlinsen zu tragen. Zum Beispiel kann man Kontaktlinsen mit einem geringeren Wassergehalt von 33 bis 38 Prozent tragen. Zudem gibt es Kontaktlinsen mit einer besonders hohen Wasserbindungskapazität oder Kontaktlinsen aus biokompatiblem Material, die sehr schonend für die Augen sind. Oder man geht auf Silikon-Hydrogel-Linsen über.

Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen

Diese relativ neu entwickelten Kontaktlinsen bestehen aus einem Material, das auf der einen Seite  Wasser sehr schnell aufnimmt und vor allem nur langsam wieder abgibt. Durch diese „Wasserdepots“ sind diese Kontaktlinsen besser mit Wasser versorgt und saugen die Tränenflüssigkeit nicht so stark auf. Zum anderen ist bei den Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen die Sauerstoffdurchlässigkeit nicht alleine an den Wassergehalt der Linsen gekoppelt. Auch durch das Material selber kann Sauerstoff an die Augen transportiert werden. Während herkömmliche weiche Kontaktlinsen eine Sauerstoffdurchlässigkeit von höchstens 40 Dk/t erreichen, sind bei Silikon-Hydrogel-Linsen Dk/t-Werte von über 100 möglich. Damit ist eine gesunde Sauerstoffversorgung der Hornhaut garantiert, ohne dass das Auge austrocknet. Falls Sie zu trockenen Augen neigen, achten Sie daher auf die Bezeichnung Silikon-Hydrogel. Auch Tag- und Nachtlinsen bestehen aus diesem Material. Diese sind meistens jedoch nur bequem, wenn sie die gesamte Zeit wirklich im Auge behalten werden. Bei täglicher Entnahme dieser Tag- und Nachtlinsen kann es zu Einschränkungen im Tragekomfort kommen. Ob diese Tag- und Nachtlinsen in Ihrem Fall die geeignete Lösung sind, sollte zunächst von einem Fachmann getestet werden.

Fazit

Welche Kontaktlinsen für Sie die besten sind, sollten Sie auf jeden Fall von einem Augenarzt oder Optiker überprüfen lassen. Es gibt viele Faktoren, die die Verträglichkeit von Kontaktlinsen beeinflussen. Dazu gehören auch die Zusammensetzung des Tränenfilmes und Material und Wassergehalt der Kontaktlinse.